11. Willicher Handicap Triathlon 2009
- Rückblick -

Mit "Durst" und
einem "netten Biker"

Als sich Hans-Peter Durst (RGB Dortmund) das schwarz-rot-goldene Trikot des Deutschen Meisters überstreifte, spendete auch die achtjährige Rollstuhlstarterin Lea Kamphausen (Basket Bears Krefeld) begeisterten Applaus. In diesem Moment schloss sich im Rahmen der Siegerehrung ein Kreis, der 1999 mit dem ersten Wettkampf der behinderten Athleten seinen Anfang genommen hatte. Die diesjährige elfte Auflage des Willicher Handicap-Triathlons erlebte ihr Debüt im Rahmen Deutscher Sprint-Meisterschaften und bot zugleich traditionell den Breitensportlern und Nachwuchsathleten die Möglichkeit sich sportlich weiterzuentwickeln oder den Mix der drei Disziplinen auszuprobieren.

Dabei kamen dem veranstaltenden Schwimmverein Willich und dem organisierenden reha team West die diesjährigen Vorbereitungen einer „Wundertüte“ gleich. Erforderte schon die Halbierung des Schwimmbeckens auf 25 m ein Umdenken in den angestammten Abläufen, so hatte die „Bütt“ auch im weiteren Außengelände nach einem Umbau einen gänzlich neuen Charakter erhalten. Die obligatorische Wettkampfbesprechung vor dem Startschuss geriet somit zu einem echten „Sightseeing“, das die Athleten und Betreuer weidlich nutzten, um sich mit dem neuen Gegebenheiten vertraut zu machen. Es sei aber vorweggenommen: Der Tenor der insgesamt 830 teilnehmenden Vielseitigkeitssportler an diesem Tage fiel überaus positiv aus und das neue Spaßbad erlebte bei guten äußeren Bedingungen eine gelungene Feuertaufe als zuschauerfreundliches Triathlonarial.

Hans-Peter Durst indes kam langsam, aber gewaltig. Machte doch im Klassement der spastisch gelähmten Athleten (TRI 3) zunächst der Hamburger Oliver Seemann (Tri Michels) seinem Namen alle Ehre und drückte aufs Tempo. Nach 500 m im nassen Element deutlich vorne liegend, war der Vorsprung für den 37-jährigen Hanseaten nach 20 km-Rad zwar geschmolzen, hatte aber eingangs der Laufstrecke immer noch Bestand. Erst auf diesen abschließenden 5 km konnte sich Durst (51) dann entscheidend durchsetzen. Beobachtet aus nächster Nähe vom DTU-Behindertenbeauftragten Alfred Lipp, der, angesteckt von der tollen Atmosphäre, kurzer Hand in der TRI 4 nachmeldete und die Strecke unter die Füße nahm.

Der Wettbewerb bei den Rollstuhlathleten erlebte das Vorjahresduell zweier Niederrheiner. Sich ehedem aus der Szene der Handbiker kennend, galt es für Stefan Voormans (Nettebiker) nach dem Schwimmen (200 m) und dem Handbiken (10 km) möglichst große Distanz zu Daniel Petersen (VfR Büttgen) herzustellen, dessen Stärken als Titelverteidiger insbesondere auf der abschließenden Rollstuhlstrecke (3,4 km) zur Geltung kamen. Voormans kam mit diesem Druck „von hinten“ aber bestens zurecht und so wanderte die erste Deutsche Meisterschaft durch den bald 40-jährigen in neuer Streckenrekordzeit von 48:34 Minuten ins benachbarte Nettetal. Hervorzuheben auch die Leistung von Björn Behnke (Blau-Weiss Buchholz). Mit seinen 11 Jahren entfachte der mit seinen Eltern aus der Lüneburger Heide angereiste Schüler gehöriges Staunen bei den Beobachtern. 64:50 Minuten lagen nur knappe drei Minuten vom Drittplatzierten Benedikt Müller (BSG Duisburg-Buchholz) entfernt und wurden von einem Starter des Jahrgangs 1998 in diesem Klassement bis dato noch nicht erreicht. Auch Martina Willing (49) war nach vierjähriger Abstinenz wieder zu Gast. Internationale Aufgaben hatten ihr den Start in den vergangenen Jahren verwehrt, zuletzt in Form zweier Medaillen bei den Paraympics in Peking. Mit einer einmal mehr beeindruckenden Schwimmleistung (4:45 Minuten) legte die Brandenburgerin den Grundstein für ihre erste Deutsche Triathlonmeisterschaft und verwies die Düsseldorferin Karin Maria Wolters auf Rang zwei.

Was aber wäre der Willicher Handicap-Triathlon ohne seine Breitensportler? Ob als Körperbehinderte ohne oder mit Rollstuhl: Auch diesmal bewies das über dreißigköpfige Teilnehmerfeld, dass Triathlon für Sportler mit Behinderung in Willich keinen Extremsport, sondern, die Grundlage an sportlicher Fitness vorausgesetzt, ein erreichbares wie lohnendes Ziel darstellt. Die eingangs erwähnte achtjährige Lea mag hier ebenso als Beispiel dienen, wie die aus der Veranstaltung schon nicht mehr wegzudenkenden „Oranjes“ der BSG Volmarstein, deren Starter sowohl bei den Rollis im Level I (Sieger Rene Stade in guten 55:02 Minuten), als auch in den Staffeln vertreten waren. Hier siegte wiederum mit Andreas Abts und Johannes Huth (BSG Mönchengladbach) ein Duo des Jahrgangs 1998, das bei der Siegerehrung stolz seine Pokale in die Höhe streckte. Direkt neben der Paralympicsiegerin Martina Willing. Bandbreite eben. Fortsetzung folgt am 5. September 2010.


Ob bei den Nichtbehinderten oder
den Handicap-Athleten:
Der "Wechsel" ist eine eigene Disziplin,
hier gekonnt demonstriert von Daniel Petersen.


Karin Wolters macht sich auf den Weg.


Stefan Voormans in seinem "feuerroten Spielmobil".


Rene Stade (BSG Volmarstein)
ist der Sieger des Rolli Levels I.


"Bene" Müller (3. des TRI 1) bei der Zielankunft.


Bild von www.sportograf.de
Oliver Seemann im Zielkanal.


Toller Rahmen bei der Siegerehrung.

Die "Großen" umrahmt von den "Kleinen":
Björn Behnke, Martina Willing, Karin M. Wolters
und Andreas Abts.


Sascha Castor vom reha team West begleitete die
blinde Martina Willing über die Strecke und freute sich
für sie bei der Überreichung von Gold und Meistertrikot.


Die schnellen Jungs des TRI 1 von links:
Daniel Petersen, Stefan Voormans,
Bene Müller und Björn Behnke.


Bild von www.sportograf.de
Markus Schlüter (TV Wattenscheid)

 


Nie war sie wichtiger als dieses Mal:
Die Wettkampfbesprechung vor dem Start
führte geradewegs auf das neue Badgelände.


Sie war die "Bambina" und jüngstes, jemals teilnehmendes Mädchen: Lea Kamphausen
(Basket Bears Krefeld, Jahrgang 2000).


Bild von www.sportograf.de
Oliver Seemann (Tri Michels Hamburg)
war zwar schnellster Schwimmer, musste..


Bild von www.sportograf.de
..sich aber letztlich Hans-Peter Durst
RGB Dortmund) geschlagen geben.


Mit Betreuer Volker Dresel einmal mehr
in größter Mannschaftsstärke dabei:
Die BSG Volmarstein.


Bei aller Konzentration blieb noch genügend Zeit für einen Flachs: Benedikt Müller, Daniel Petersen und Stefan Voormans (von links) vor dem Start.


Stefan Voormans auf der ersten Etappe.


Nach vier Jahren wieder in Willich am Start:
Paralympic-Siegerin Martina Willing.


Mit ihr gemeinsam auf der Strecke:
Nesthäkchen Lea.


Zweiter in der Tri-Staffel mit seiner Schwester Natalie als Schwimmpatin: Patrick Kloppisch

Gekonnter Nachwuchs des Jahrgangs 1998:
Björn Behnke (Blau-Weiss Buchholz), der...
...den TRI 1 in bemerkenswerten 64:50 Minuten absolvierte und (na klar)...

...im Ziel Papas ganzer Stolz gewesen ist.


Alfred Lipp freute sich als DTU-Behindertenbeauftragter mit "seinen Jungs"!
Hans-Peter Durst ganz oben, flankiert von
Oliver Seemann(li.) und Markus Schlüter.

 

Ergebnislisten

Körperbehinderte Level I (150 m Schwimmen, 10 km Rad, 2 km Lauf)
1. 801 Lichy Patrik, TV Anrath JG 85, Schwimm: 7:55 -Rad: 42:25 -Lauf: 12:03 -Endzeit: 1:02:23

1. 812 Dannika Ernst BSG Volmarstein JG 89, Schwimm: 5:22 -Rad: 34:43 -Lauf: 13:29 -Endzeit: 53:34
2. 813 Lambrich Petra BSG Volmarstein 72, Schwimm: 4:22 -Rad: 46:20 -Lauf: 16:43 -Endzeit: 1:07:25

TRI 3 mit Wertung zur Deutschen Meisterschaft (500 m Schwimmen, 20 km Rad, 5 km Lauf)
1. 838 Durst Hans - Peter, RBG Dortmund 58, Schwimm: 11:19, Rad: 42:11, Lauf: 22:33 Endzeit: 1:16:03
2. 836 Seemann Oliver, Tri Michels Hamburg 72, Schwimm: 9:09, Rad: 43:10, Lauf: 30:58 Endzeit: 1:23:17
3. 837 Schlüter Markus, TV Wattenscheid 66, Schwimm: 14:05, Rad: 48:48, Lauf: 24:02 Endzeit: 1:26:55

TRI 4 Wertung zur Deutschen Meisterschaft (500 m Schwimmen, 20 km Rad, 5 km Lauf)
1. 174 Lipp Alfred, SV Wacker Burghausen 65, Schwimm: 11:14, Rad: 40:57, Lauf: 23:08 Endzeit: 1:15:19

ROLLI Tri-Level I (100 m Schwimmen, 10 km Handbike, 1,3 km Rollstuhl
1. 815 Stade Rene, BSG Volmarstein 90 -Schwimm: 2:57 -Handbike: 41:46 -Rolli: 10:19 -Endzeit: 55:02
2. 816 Hövkes Dennis, BSG Volmarstein 90 -Schwimm: 4:18 -Handbike: 47:47 -Rolli: 18:32 -Endzeit: 1:10:37
3. 814 Kamphausen Lea, Basket Bears 00 -Schwimm: 7:13 -Handbike: 1:28:55 -Rolli (verkürzt): 5:33 -Endzeit: 1:41:41
Annemann Jens, BSG Volmarstein 86 -5:08 Ausstieg - Rad

TRI 1 mit Wertung zur Deutschen Meisterschaft (200 m Schwimm, 10 km Handbike, 3,4 Rollstuhl)
1. 804 Voormans Stefan, Nettebiker JG 70 -Schwimm: 6:44- Handbike: 25:55 - Rolli 15:55 - Endzeit 48:34
2. 805 Petersen Daniel, VfR Büttgen JG 90 -Schwimm: 00:00:00- Handbike: 34:49 - Rolli 15:07 - Endzeit 49:56
3. 806 Müller Benedikt, BSG Duisburg JG 84 -Schwimm: 10:03- Handbike: 33:12 - Rolli 18:45 - Endzeit 1:02:00
4. 819 Behnke Björn, Blau Weiss Buchholz 98 Schwimm: 7:51- Handbike: 38:14 - Rolli 18:45 - Endzeit 01:04:50

1. 802 Willing Martina, SG Stahl Brandenburg JG 59 Schwimm: 4:45 -Handbike: 32:38 - Rolli: 15:22 - Endzeit: 52:45
2. 818 Wolters Karin Maria, JG 62 Schwimm: 7:43 -Handbike: 41:47 - Rolli 24:17 - Endzeit: 1:13:47

Tri - Staffel mit Schwimmpaten (200 m Schwimmen, 10 km Handbike, 1,3 km Rollstuhl)
1. 811 Andreas Abts / Johannes Huth, BSG M´gladbach 98 Schwimm: 4:53, Handbike: 38:07, Rolli: 9:23 - Endzeit: 52:23
2. 821 Patrick und Natalie Kloppisch, Basket Bears 94 Schwimm: 5:17, Handbike: 51:40, Rolli: 9:08 - Endzeit 1:06:05
3. 822 Tilo Stahlhut / Daniel Nelson, BSG Volmarstein 89 Schwimm: 6:35, Handbike: 49:13, Rolli: 13:21 - Endzeit: 1:09:09
4. 824 Ted Weber / Manuel Volaj, BSG Volmarstein 90 Schwimm: 5:59, Handbike 1:01:54, Rolli: 19:06 - Endzeit: 1:26:59
5. 820 Robin Croonenbroeck / Vera Kamphausen, Basket Bears 95 Schwimm: 5:12, Handbike: 1:37:17 - Rolli (verkürzt): 5:43 - Endzeit: 1:48:12
823 Karlson Geisthoff / Dominik Alexander, BSG Volmarstein 84, Schwimm: 5:47, Ausstieg - Rad
außer Konkurrenz: Frank Pohl / Marius Sieger 64, Schwimm: 5:46, Handbike: 40:13, Rolli: 7:48 - Endzeit: 53:47

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